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Hey, hey, Helmstedt-Wiki: Dieser Mann steckt hinter der Enzyklopädie

Aus Helmstedt-Wiki

Online-Lexikon

Hey, hey, Helmstedt-Wiki: Dieser Mann steckt hinter der Enzyklopädie

Von Verena Mai

Helmstedt. Ein Helmstedter hat es sich zur Aufgabe gemacht, Wissen über seine Geburtsstadt online zugänglich zu machen. In der Region ist er kein Unbekannter.

Helmstedt-Wiki: Ein Online-Lexikon über Personen, Geschichte, Unternehmen, Geschehnisse in Helmstedt und Umgebung, freilich nicht vollständig, aber das kann es auch nicht sein. Hinter der Enzyklopädie steckt nämlich ein einzelner Mann: Mirko Marhenke (51). Der setzt sich allerdings jeden Abend an den Computer und pflegt neues Wissen ein, wie er erzählt.

Marhenke ist kein Unbekannter in der Region Helmstedt. Er gründete die Mountain Soul Night, arbeitet als DJ M!rko und betreibt mehrere Radiosender mit dazugehörigen Webseiten, unter anderem das Helmstedt-Radio, zudem hat er eine Werbeagentur – und einen Job. Helmstedt-Wiki ist sein Hobby, sagt er, damit verdient er kein Geld, im Gegenteil. Für die Domain zahlt er einen kleinen Betrag. Im Gegensatz zur „großen“ Wikipedia können Nutzer auch keine Beiträge einstellen, weil es zu Beginn Probleme mit Spam-Bots gab.

Begonnen hat die Geschichte an seinem Arbeitsplatz. Er wollte für seinen Arbeitgeber einen Wikipedia-Eintrag erstellen, doch der wurde mangels Relevanz kurze Zeit wieder gelöscht. Marhenke hat dann herausgefunden, dass die Software öffentlich verfügbar ist und wollte es selbst versuchen.

Mit Straßennamen in Helmstedt fing es an

Und dann kam die Idee auf, etwas mit Helmstedt zu machen. Straßennamen zum Beispiel. „Das Thema hat mich gepackt! Warum heißt die Straße so?“, schildert Marhenke. Die hat er sich also 2007 vorgenommen, Erklärungen zur Namensgebung geschrieben, wo sie liegen, das Wissen hatte er aus Büchern. Denn zu Helmstedt fand sich damals fast gar keine Info online, hatte er festgestellt. „Die Straßennamen waren aber bald erschöpft“, sagt Marhenke – zumindest für die Stadt Helmstedt.

Die Themen wurden also mehr, und auch die Begrenzung auf die Stadt Helmstedt fiel bald. Die Artikel wurden untereinander verlinkt, und die Online-Enzyklopädie zur Stadt wuchs stetig an. „Ich binde ein, was ich wahrnehme“, sagt er zur Auswahl. Für alle Artikel führt er dabei Belege an. Eine seiner Quellen: Die Helmstedter Nachrichten.

„Ich mache das gern. Andere Leute lesen Bücher, ich schreibe eine Enzyklopädie.“
Mirko Marhenke, Gründer von Helmstedt-Wiki

„Manchmal ist es für den normalen Betrachter ein normaler Artikel, aber ich lese zum Beispiel in dem Text über die Wendhäuser Gaststätte Zur schönen Aussicht, dass das Gebäude 1902 erbaut wurde und in der Straße noch nicht so viele Gebäude standen“, beschreibt er. Auch aus Artikeln über Jahresversammlungen bezieht er Informationen: „Etwa die Mitgliederzahl oder wer der Brandmeister ist“, schildert Marhenke.

Marhenke fasziniert die alte Stadtbefestigung von Helmstedt

Einen Lieblingsartikel oder ein Lieblingsthema kann er gar nicht benennen. „Die Reise ist spannend“, betont er und meint damit die Recherche, das Sammeln von Informationen, das Entdecken. Derzeit fasziniert ihn zum Beispiel die alte Stadtbefestigung von Helmstedt. „Hausmannsturm, die Wälle, Reste von Stadtmauern, das ist alles klar. Aber es gab noch ein Ostertor (Magdeburger-/Ludgeritor) und ein Südertor (Seeper/Seedorfer Tor)“, beschreibt er. Diese Bauwerke gibt es nicht mehr. „Das zu recherchieren, eine Reise entlang der ehemaligen Stadtbefestigung, das hat Spaß gemacht“, schildert er begeistert.

Überhaupt mag er, was nicht (mehr) sichtbar ist. Dazu zählen Gebäude und Unternehmen: Das Chile-Haus in der Albrechtstraße, das 1927 für die Spinnerei Hampe errichtet und 1970 abgerissen wurde. „Das Gebäude ist der Hammer“, schwärmt Marhenke. „Ich würde jeden Morgen davorstehen mit offenem Mund“, versichert er. Heute könne man sich nicht mehr vorstellen, dass solch ein Haus abgerissen wird.

Treuer Begleiter bei diesen Recherche-Reisen ist die Chronik der Stadt Helmstedt. Das Stadtarchiv allerdings besucht er dieser Tage zum ersten Mal. Dort hofft er, die Zeitungsausgaben von vor 2006 einsehen zu können. Ein bestimmtes Thema hat er jedenfalls nicht. Da lässt er sich treiben.

Helmstedter Marhenke
Möchte Informationen ans Licht tragen

„Ich möchte die Informationen ans Licht tragen und für alle sichtbar machen“, erklärt Marhenke. „Es wäre toll gewesen, wenn jemand geholfen hätte. Aber ich mache das gern“, sagt der Helmstedter. „Andere Leute lesen Bücher, ich schreibe eine Enzyklopädie.“ Außer dem Helmstedter Radio betreibt er weitere, insgesamt etwa zehn Sender. „Das Musikalisch-Kreative bestimmt mein Leben“, bilanziert Marhenke. Nebenbei sammelt er auch noch Schallplatten.

Einen kleinen Rückschlag gab es bereits beim Wiki-Projekt. Die Technik lief nicht rund, und Marhenke musste einmal die ganze Seite neu bestücken. Das hat ihn anderthalb Monate gekostet. Was ihn freut, ist, wenn ihm Bilder, Informationen oder ganze Texte zugesandt werden. Neulich bekam er eins vom Waldbad, als Frauen und Männer noch getrennt baden mussten.

„Es fühlt sich nicht an, als ob ich täglich mit Verlust arbeitete“, sagt der Helmstedter. Inzwischen hat er Routinen und Automatismen entwickelt, um all die Bälle in der Luft zu halten, denen er sich widmet. Die Wiki-Einträge seien immer unvollständig, betont er, sie wachsen mit der Zeit. Derzeit gibt es 3078 Artikel und 1414 Bilder auf der Seite. Helmstedt-Wiki, resümiert Marhenke, „ist mein ehrenamtlicher Beitrag für die Gesellschaft.“

(Quelle: Verena Mai: Hey, hey, Helmstedt-Wiki: Dieser Mann steckt hinter der Enzyklopädie. In: Braunschweiger Zeitung / Helmstedter Nachrichten. 14. August 2026, abgerufen am 14. August 2026.)