Hans Krebs

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Hans Krebs (1944)

Hans Otto Wilhelm Eugen Krebs (* 4. März 1898 in Helmstedt; † 1. Mai 1945 in Berlin) war ein deutscher General der Infanterie und zuletzt Generalstabschef des Heeres im Zweiten Weltkrieg. Er gehörte in den letzten Wochen des Krieges zum engsten militärischen Führungszirkel im Führerbunker und spielte eine zentrale Rolle bei den gescheiterten Kapitulations- und Waffenstillstandsversuchen gegenüber der Roten Armee. Am Ende des Krieges beging er Suizid.

Leben

Kindheit und Jugend

Hans Krebs wurde am 4. März 1898 in Helmstedt als das ältere von zwei Kindern des Oberlehrers Otto Gustav Hugo Krebs und dessen Frau Adele, geb. Glaser, geboren. Sein Vater war als Oberlehrer am Gymnasium tätig war. Die Familie lebte zunächst am Schützenwall 12, später am Batteriewall und ab 1908 in der Moltkestraße (heute Gustav-Steinbrecher-Straße) sowie ab 1910 in der Roonstraße (heute Doktor-Heinrich-Jasper-Straße). Seine Schwester Margarete Annemarie Minna Adele kam ein Jahr nach ihm zur Welt.[1]

Ab 1907 besuchte Krebs das herzogliche Gymnasium (heute Julianum) in Helmstedt.[1] 1913 zog die Familie nach Goslar. Dort ging der offenbar begabte Schüler auf das Ratsgymnasium, wo er eine Klasse übersprang.

Militärische Ausbildung und Laufbahn

Erster Weltkrieg

Seine militärische Laufbahn begann Krebs nach dem Abitur. Er trat nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Freiwilliger am 3. September 1914 in das Hannoversche Jäger-Bataillon Nr. 10 in Goslar ein. Als Fahnenjunker erfolgte am 27. November dessleben Jahres seine Versetzung in das Infanterie-Regiment „Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig“ (Ostfriesisches) Nr. 78. Am 19. März 1915 kam er mit seinem Regiment an der Westfront in Frankreich zum Einsatz.

Zwischenkriegszeit

Nach Kriegsende wurde Krebs 1919 in die Reichswehr übernommen. Ab 1920 diente er mit Unterbrechungen im 17. Infanterie-Regiment in Braunschweig. Am 29. April 1920 heiratete er Ilse Wittkop. 1921 wurde Tochter Anne-Marie geboren, 1925 ihre Schwester Lieselotte.

Oberleutnant Krebs (seit 1. April 1925) durchlief in dieser Zeit unter anderem die Generalstabsausbildung. 1927 diente er beim 6. (Preußisches) Pionier-Bataillon in Minden, 1928 befand er sich wieder in Braunschweig beim 17. Infanterie-Regiment.

Im Jahr 1930 wurde Krebs nach Berlin ins Reichswehrministerium versetzt und der Heeres-Ausbildungsabteilung zugeteilt. 1933 folgte eine Entsendung als Gehilfe des Militärattachés an die deutsche Botschaft in Moskau. Hier lebte die Familie weitgehend abgeschottet vom russischen Alltagsleben, die Töchter besuchten die deutsche Botschaftsschule und erhielten Privatunterricht in Russisch. Die Rückkehr nach Deutschland erfolgte im Oktober 1934 mit einer Versetzung nach Gumbinnen (heute Gussew) in Ostpreußen.[2]

1935 beteiligte Krebs sich am Neuaufbau der 24. Infanterie-Division in Chemnitz. Zwei Jahre später zog die Familie wieder nach Berlin. Krebs pflegte im privaten Umfeld diplomatische Kontakte und hielt Vorträge über deutsch-russische Beziehungen, unter anderem an der Hochschule für Politik. Dabei traf er auch auf Vertreter aus Moskau, Japan und Skandinavien. Während dieser Jahre wurde er zunehmend in die Planung und Beratung militärischer Operationen einbezogen, insbesondere im Hinblick auf die Ostfront.

Zweiter Weltkrieg

Krebs’ militärische Karriere erhielt im Zweiten Weltkrieg eine deutliche Dynamik. 1939 wurde er zum Oberstleutnant befördert, 1940 ernannte man ihn zum Chef des Generalstabs des VII. Armeekorps, und 1941 erfolgte die Beförderung zum Oberst. Von März 1941 an war Krebs erneut als Militärattaché in Moskau tätig. Bei der Abfahrt einer japanischen Delegation kam es zu einer persönlichen Begegnung mit Josef Stalin, die ihn nachhaltig beeindruckte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland berichtete Krebs der militärischen Führung über seine Eindrücke und warnte vor der Stärke der Roten Armee. Trotz dieser Warnungen begann am 22. Juni 1941 der Angriff auf die Sowjetunion, und Krebs wurde an die Ostfront versetzt. Dort stieg er in den folgenden Jahren auf: 1942 wurde er Chef des Generalstabs der 9. Armee, 1943 Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Mitte und Generalleutnant.

Seine Leistungen als Generalstabschef wurden mehrfach hervorgehoben, unter anderem in seiner Personalakte von 1941 und in einer Zeitungsnotiz zum Ritterkreuz 1944. Krebs erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Deutsche Kreuz in Gold sowie das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Zeitgenossen beschrieben ihn als engagiert, pflichtbewusst und kollegial; gleichzeitig wurde ihm gelegentlich ein zu ausgedehnter kameradschaftlicher Umgangsstil nachgesagt.

Zeit im Führerbunker

Am 29. März 1945 wurde Krebs von Adolf Hitler zum Generalstabschef des Heeres ernannt. In den letzten Kriegstagen blieb er eng an der Seite Hitlers im Führerbunker der Reichskanzlei. Er war an Lagebesprechungen beteiligt, wertete Nachrichten aus und referierte vor Hitler. Nach außen zeigte er sich loyal zur nationalsozialistischen Führung, innerlich erkannte er jedoch die aussichtslose Lage.

Am 1. Mai 1945 beauftragte der von Goebbels eingesetzte Reichskanzler Krebs, Verhandlungen mit der sowjetischen Führung aufzunehmen, um einen Sonderfrieden mit der Sowjetunion zu erreichen. Krebs, mit Erfahrung als Militärattaché in Moskau und fließenden Russischkenntnissen, kontaktierte Generaloberst Wassilij Tschuikow. Er berichtete über den Tod Adolf Hitlers und überreichte einen Brief Goebbels. Die sowjetische Seite lehnte die Verhandlungen jedoch ab und forderte die bedingungslose Kapitulation.

Tod

Am Abend des 1. Mai 1945 nahmen sich Hans Krebs und Hitlers Adjutant Wilhelm Burgdorf im Führerbunker gegen 21:30 Uhr im Lageraum das Leben. Zum genauen Zeitpunkt und der Art des Suizids gibt es allerdings widersprüchliche Angaben, sodass auch der 2. Mai 1945 als Todesdatum in Betracht kommt.[3]

Berichten zufolge wurden seine Überreste gemeinsam mit den Überresten Adolf und Eva Hitlers, der Familie Goebbels sowie Hitlers Hunden insgesamt acht Mal, zuletzt in einer sowjetischen Kaserne bei Magdeburg, vergraben. Am 5. April 1970 wurden die menschlichen Überreste von Krebs, Adolf Hitler und Eva Hitler und der Familie Goebbels von Magdeburg auf das Gelände der Kaserne des 248. sowjetischen Garde-Motorisierten-Schützenregiments der 10. Garde-Panzerdivision an der Magdeburger Straße in Schönebeck transportiert. Die Überreste wurden eingeäschert und nach Biederitz transportiert, wo das gesamte Material entsorgt wurde.[4]

Auszeichnungen

  • Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse[5]
  • Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern[5]
  • Braunschweiger Kriegsverdienstkreuz II. und I. Klasse[5]
  • Friedrich-August-Kreuz I. Klasse[5]
  • Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz[5]
  • Spange zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse
  • Deutsches Kreuz in Gold am 26. Januar 1942[6]
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub[6]
    • Ritterkreuz am 26. März 1944
    • Eichenlaub am 20. Februar 1945 (749. Verleihung)

Nachwirkung und Rezeption

Zu Hans Krebs gibt es weder eine umfassende Biografie noch zahlreiche Bilddokumente. In historischen Darstellungen erscheint er meist am Rande, vor allem im Zusammenhang mit den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Familienüberlieferungen und Zeitzeugen, darunter sein Adjutant Bernd Freytag von Loringhoven, liefern punktuelle Einblicke in seine Persönlichkeit, die sowohl Merkmale eines pflichtbewussten Offiziers als auch eines an Bildung interessierten Menschen aufzeigte. Krebs wird als intelligenter, zurückhaltender und realitätsbewusster Offizier beschrieben, der die militärische Lage im Frühjahr 1945 realistisch einschätzte, sich aber dennoch loyal gegenüber der Führung verhielt.[7]

Trivia

In dem Film Der Untergang wird Krebs von Rolf Kanies dargestellt.[8]

Literatur

  • Dieter Lent: Krebs, Hans. In: Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert. Hannover 1996, ISBN 3-7752-5838-8, S. 346 f.
  • Braunschweiger Zeitung Spezial (04/2005) Hans Krebs. Hitlers treuester General.
  • Dermot Bradley (Hrsg.): Die Generale des Heeres 1921–1945. Die militärischen Werdegänge der Generale, sowie der Ärzte, Veterinäre, Intendanten, Richter und Ministerialbeamten im Generalsrang. Band 7: Knabe-Luz. Biblio Verlag, Bissendorf 2004, ISBN 3-7648-2902-8, S. 187–189.
  • Reinhard Bein: Hitlers Braunschweiger Personal. DöringDruck, Braunschweig 2017, ISBN 978-3-925268-56-4, S. 120–125

Einzelnachweise

  1. a b Katrin Teschner: „Aus Dir wird wohl nie ein Soldat“. In: Braunschweiger Zeitung. 13. April 2005, abgerufen am 3. Januar 2026.
  2. Personalakte, Militärarchiv Freiburg
  3. Alfred H. Mühlhäuser: Zwanzig Tote aus dem Führerbunker?: Die Wahrheit hinter der "Wahrheit". Books on Demand, 2019, ISBN 978-3-7494-2355-2 (google.de [abgerufen am 1. November 2024]).
  4. Harald Sandner: Vom Führerbunker zur Schweinebrücke, Shaker Media, Düren 2023. ISBN 978-3-95631-949-5, S. 188–202
  5. a b c d e Rangliste des Deutschen Reichsheeres. E.S. Mittler & Sohn, Berlin, S. 157.
  6. a b Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 472.
  7. Katrin Teschner: „Er gab auf, als es hart auf hart ging“. In: Braunschweiger Zeitung. 1. April 2005, abgerufen am 3. Januar 2026.
  8. Der Untergang – Vollständige Besetzung und Crew-Mitglieder. In: IMDb. 2004, abgerufen am 3. Januar 2026.