AWO Psychiatriezentrum

aus Helmstedt-Wiki, der freien Enzyklopädie über den Landkreis Helmstedt
Version vom 18. Januar 2026, 08:02 Uhr von Admin (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

AWO Psychiatriezentrum – Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie

Rechtsform gGmbH
Gründung 1. Dezember 1865
Leitung Thomas Zauritz (Geschäftsführer), Prof. Dr. Helge Frieling (Ärztlicher Direktor)
Mitarbeiterzahl etwa 1.400 Voll- und Teilzeitbeschäftigte
Anschrift Vor dem Kaiserdom 10
38154 Königslutter am Elm
Telefon 05353 90-0
Telefax 05353 90-1095
Website awo-psychiatriezentrum.de

Das AWO Psychiatriezentrum (Langform: AWO Psychiatriezentrum – Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie) ist ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie an der Straße Vor dem Kaiserdom in Königslutter am Elm im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland. Mit rund 1400 Beschäftigten zählt es zum größten Arbeitgeber des Landkreises. Das Einzugsgebiet der Einrichtung umfasst die Städte Braunschweig und Wolfsburg sowie vier weitere Landkreise in Niedersachsen. Darüber hinaus ist das AWO Psychiatriezentrum das größte psychiatrische Fachkrankenhaus des Bundeslandes Niedersachsen.[1]

Geschichte

Der Braunschweiger Landtag beschloss 1861, auf dem Gelände des ehemaligen Benediktinerklosters in Königslutter, in unmittelbarer Nähe des Kaiserdoms, eine „Heil- und Pflegeanstalt“ zu errichten. Die Einrichtung wurde am 1. Dezember 1865 unter dem Namen Landesheil- und Pflegeanstalt Königslutter[2] eröffnet.[3] In dem damaligen Haupthaus standen 152 Betten für männliche und weibliche Patienten zur Verfügung. Bis zum Jahr 1890 wurde die Bettenkapazität auf 350 erweitert.[2]

Während der Zeit des Nationalsozialismus diente die Anstalt als Durchgangsstation im Rahmen der sogenannten Aktion T4, einem nationalsozialistischen Programm zur systematischen Ermordung psychisch kranker und behinderter Menschen.[2] Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich auf dem Gelände ein Reservelazarett sowie ein Hilfskrankenhaus. Die Zahl psychiatrischer Patienten war zu diesem Zeitpunkt stark reduziert.

In der Nachkriegszeit erfolgte 1954 die Umbenennung in Niedersächsisches Landeskrankenhaus Königslutter. Im Jahr 1969 wurde das heutige Gebäude der Klinik B mit 150 Betten eröffnet, 1979 folgte die Klinik A. 1982 nahm die Abteilung für Psychiatrie des Kinder- und Jugendalters ihren Betrieb auf, 1983 die Abteilung für Sozialpsychiatrie und Neuropsychiatrie. Die Psychotherapieabteilung wurde im Jahr 1985 eingerichtet.[2]

Zum 1. September 2007 übernahm die AWO Niedersachsen gGmbH die Trägerschaft. Seitdem firmiert die Einrichtung unter dem Namen AWO Psychiatriezentrum Königslutter.[2]

Date und Struktur

Das AWO Psychiatriezentrum befindet sich am südwestlichen Stadtrand von Königslutter am Elm, in unmittelbarer Nähe des Kaiserdoms. Die Einrichtung liegt auf einem parkähnlichen Gelände mit einer Fläche von 33 Hektar[4] und ist in zahlreiche Einzelgebäude gegliedert. Das Zentrum verfügt über 709 Betten für vollstationäre, 123 Betten für teilstationäre sowie 91 Betten für forensisch-psychiatrische Behandlungen.[5] Jährlich werden rund 8.000 Patientinnen und Patienten behandelt; die durchschnittliche Verweildauer beträgt 28 Tage.[5]

Zum Psychiatriezentrum gehören fünf Kliniken mit über 30 Stationen:[5]

  • Klinik für Allgemeinpsychiatrie und Psychotherapie, bestehend aus:
    • Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen und komorbide Störungen
    • Abteilung für psychotische Erkrankungen
    • Abteilung für affektive Störungen
  • Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Klinik für Gerontopsychiatrie
  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Klinik für Forensische Psychiatrie

Auf dem Gelände befindet sich eine eigene Berufsfachschule für Pflegeberufe sowie die „AWO Psychiatrie Akademie gGmbH“, eine Tochtergesellschaft, die Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen anbietet. Zudem betreibt die AWO Niedersachsen MVZ gGmbH auf dem Klinikgelände ein Ambulanzzentrum mit einem psychiatrischen Pflegedienst.[5]

Darüber hinaus unterhält das Zentrum Tageskliniken für Erwachsene in Wolfsburg, Wolfenbüttel, Peine und Gifhorn sowie für Kinder und Jugendliche in Wolfsburg und Braunschweig.[5]

Das AWO Psychiatriezentrum beschäftigt rund 1400 Mitarbeitende und etwa 100 Auszubildende.[6] Es versorgt neben den Städten Braunschweig und Wolfsburg die Landkreise Gifhorn, Helmstedt, Peine und Wolfenbüttel. Im gesamten Einzugsgebiet leben etwa 880.000 Menschen.

Trivia

  • Auf dem Gelände steht die etwa im 12. Jahrhundert gepflanzte Kaiser-Lothar-Linde
  • Teil des Psychiatriezentrums ist der 1879 angelegte, 1,6 Hektar große „Berggarten“[7]
  • 2003 wurde am Rande des Berggartens ein Mahnmal für die Opfer der Aktion T4 eingeweiht[8]
  • Im Eingangsbereich der „Klinik A“ befindet sich seit 2010 ein 2,8 m × 6,06 m großes Wandgemälde von Alfred Gockel

Weblinks

Einzelnachweise

  1. AWO PSYCHIATRIEZENTRUM – Startseite. Abgerufen am 5. September 2018.
  2. a b c d e Geschichte des Krankenhauses, abgerufen am 31. Juli 2015
  3. Eine Doktorarbeit zum 160. Geburtstag des APZ. In: Helmstedter Sonntag. 18. Januar 2026, S. 1.
  4. Porträt bei berufsreport.com, abgerufen am 15. Mai 2017
  5. a b c d e Porträt auf der Website des AWO Psychiatriezentrums, abgerufen am 31. Juli 2015
  6. Das AWO Psychiatriezentrum als Arbeitgeber, abgerufen am 31. Juli 2015
  7. Beschreibung des Berggartens bei gaerten-parks.de, abgerufen am 11. August 2015
  8. Beschreibung des Mahnmals, abgerufen am 31. Juli 2015