Josefine Paul

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Josefine Paul (* 2. März 1982 in Helmstedt) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen) und Historikerin und war von 2022 bis zu ihrem Rücktritt am 27. Januar 2026 Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II. Sie ist seit 2010 Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober 2020 bis Juni 2022 eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Am 27. Januar 2026 erklärte Paul ihren Rücktritt als Ministerin.[1]

Leben und Beruf

Josefine Paul stammt aus dem Helmstedter Ortsteil Barmke.[2] Paul wird am 2. März 1982 in Helmstedt geboren. Die Mutter ist Sybille Mattfeldt-Kloth und der Stiefvater Ernst-Adolf Kloth. Sie legte 2001 ihre Abiturprüfung am Gymnasium Julianum ab und studierte anschließend bis 2008 Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften zunächst an der Technischen Universität Braunschweig, dann ab 2005 an der Universität Münster. Die aktive Fußballspielerin verfasste ihre Magisterarbeit zum Thema „Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.“[3] Von Oktober 2009 bis zum Antritt ihres Landtagsmandats arbeitete sie als Vertretungslehrerin in Dortmund.

Politik

Partei

Paul gehört seit 1999 der Partei Bündnis 90/Die Grünen an.[4] Während ihrer Studienzeit in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.[2]

Mitglied des Landtages (seit 2010)

Bei den Landtagswahlen 2010, 2012, 2017 und 2022 wurde sie über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. Von 2010 bis 2012 sowie von 2015 bis 2020 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende, von 2017 bis 2020 zugleich Fraktionsgeschäftsführerin.[4] Am 26. Oktober 2020 wurde sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt.[5]

In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen (2017 bis 2022) war sie außerdem Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, Sprecherin für Frauen- und Queerpolitik sowie Sprecherin für Sportpolitik.[6]

Im Dezember 2018 sorgte sie mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht für mediale Aufmerksamkeit. Knecht Ruprecht passe nicht mehr in das heutige Erziehungsbild mit gewaltfreier Erziehung, so könne Knecht Ruprecht doch beim Tragen der Süßigkeiten helfen.[7]

Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022)

Am 29. Juni 2022 wurde Paul auf Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II (schwarz-grüne Koalition) berufen. Sie wurde am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.[8]

Mitgliedschaften

  • Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur[9]
  • Mitglied im Kuratorium für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen[10]

Kritik

Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am Abend des 23. August 2024 geriet Paul in die Kritik. Innenminister Herbert Reul konnte Paul erst am Sonntagnachmittag, dem 25. August, erreichen. Die SPD-Landtagsfraktion stellte eine Kleine Anfrage mit fünf konkreten Fragen an Pauls Ministerium.[11] Lisa Kapteinat, die SPD-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, warf Paul im Juni 2025 vor, den Abgeordneten, dem Parlament und der Öffentlichkeit monatelang ins Gesicht gelogen zu haben.[12] Der syrische Dschihadist Issa Al Hasan war bereits im April 2023 eine Woche lang nicht in der zugewiesenen Unterkunft auffindbar und ebenso im Juni 2023, weswegen er nicht abgeschoben wurde. Die zuständige Behörde hatte es unterlassen, dem Ausreisepflichtigen vorzuschreiben, sein Zimmer nachts nicht zu verlassen. Am Tag der geplanten Abschiebung sowie am nächsten Tag war der Syrer beim Abend- bzw. Mittagessen präsent. Einen zweiten Abschiebeversuch gab es nicht. Aufgrund der gescheiterten Abschiebung erhielt der spätere Attentäter im August 2023 subsidiären Schutz.[13]

Rücktritt

Am 27. Januar 2026 trat Josefine Paul von ihrem Amt als Ministerin zurück.[14] Der Rücktritt erfolgte nach monatelanger Kritik an ihrem Krisenmanagement nach dem islamistisch motivierten Messeranschlag von Solingen im August 2024 mit drei Toten.

Besonders die durch Presseberichte (z. B. Kölner Stadt-Anzeiger[15]) bekannt gewordene SMS von Paul an ihre Abteilungsleiterin vom 11. August 2024 um 21:14 Uhr – in der sie sich nach der Durchsuchung einer Asylunterkunft in Solingen erkundigte und fragte, warum gerade die Unterkunft in Solingen überprüft werde – verstärkte den Vorwurf, sie sei früher informiert gewesen als öffentlich zugegeben. Diese SMS wurde dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt, was SPD und FDP als Behinderung werteten und ein Ultimatum bis 30. Januar 2026 stellten.

Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende im NRW-Landtag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Verena Schäffer benannt.

Privates

Paul lebt in Münster. Sie ist mit der sächsischen Justizministerin Katja Meier (Bündnis 90/Die Grünen) liiert.[16] Das Paar gab am 3. April 2024 bekannt, dass sie einander zu heiraten beabsichtigen.[17]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. n-tv NACHRICHTEN: NRW-Flüchtlingsministerin Josefine Paul tritt zurück. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  2. a b Natalie Tenberg: „Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen. In: Die Tageszeitung. Nr. 402/2005, 18. Juni 2005, tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal, S. IV.
  3. Deutsche Akademie für Fußball-Kultur: Josefine Paul
  4. a b gruene.landtag.nrw.de Pressemitteilung: Grüne Fraktion mit neuem Vorstand, abgerufen am 31. August 2012.
  5. Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen. In: aachener-zeitung.de. 26. Oktober 2020, abgerufen am 1. November 2020.
  6. gruene-fraktion-nrw.de Abgeordnetenportraits auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 31. August 2012.
  7. Christian Schwerdtfeger: Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß. Abgerufen am 6. Dezember 2018.
  8. WDR: Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest. 24. Juni 2022, abgerufen am 24. Juni 2022.
  9. fussball-kultur.org
  10. Landtag Nordrhein-Westfalen: Landtag NRW: Erste Sitzung des Kuratoriums „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2018; abgerufen am 14. Juni 2018.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.landtag.nrw.de
  11. focus.de: „Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck. 1. September 2024, abgerufen am 4. September 2024.
  12. Axel Spilcker: Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“. In: FOCUS online. 16. Juni 2025, abgerufen am 16. Juni 2025.
  13. Solingen: Neue Details nach mutmaßlichem Terroranschlag. 4. September 2024, abgerufen am 5. September 2024.
  14. Sabine Tenta: Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  15. Axel Spilcker: Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis. 21. Januar 2026, abgerufen am 27. Januar 2026.
  16. Katja Meier und Josefine Paul: "Man sollte nichts verstecken". 7. April 2021, abgerufen am 7. April 2021.
  17. https://www.zeit.de/gesellschaft/2024-04/heirat-ministerinnen-homosexualitaet-nordrhein-westfalen-sachsen