Gräberfeld von Söllingen

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Das Gräberfeld von Söllingen stammt aus der frühen Bronzezeit und befindet sich bei Söllingen im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland.

Beschreibung

Zum Gräberfeld gehören sechs Körpergräber der Aunjetitzer Kultur aus dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Die Skelette der Bestatteten, darunter Kinder, weisen eine seitliche Hockerstellung in Nord-Süd-Ausrichtung auf, wobei der Blick nach Osten gerichtet ist. Laut den Archäologen könnte die Blickausrichtung nach Osten der aufgehenden Sonne gegolten haben und spiegelt vermutlich damalige Glaubens- und Jenseitsvorstellungen wider. Die Gräber sind mit Grabbeigaben in Form von Tongefäßen ausgestattet worden.[1] Bei etwa drei Bestattungen sind Steinschutz und Steineinbauten vorhanden.[2] Darüber wurden in Gruben Schädelfragmente, ein Bein, untere Wirbel sowie Zähne und Rippenknochen als sogenannte „zerrupfte“ Bestattungen abgelegt. Dieser Bestattungsritus sei laut den Archäologen äußerst selten, ist aber aus Grabungen im Umfeld der nahe gelegenen Hünenburg bei Watenstedt bekannt.[3]

Fundhintergrund

Das Gräberfeld liegt im Ostbraunschweigischen Hügelland, das für Funde aus frühen Bronzezeit bekannt ist.[4] Seine fruchtbaren Lößgebiete waren im Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. intensiv aufgesuchte Siedlungsräume der Glockenbecher und Aunjetitzer Kultur. Die Fundstelle liegt am westlichsten Rand des Verbreitungsgebiets der Aunjetitzer Kultur. Sie war eine der ersten Kulturen, die Bronze verarbeitete und goss. Einer der bekannteste Funde aus dieser Zeit ist die Himmelsscheibe von Nebra.[5]

Forschungsgeschichte

Entdeckt wurde das Gräberfeld im Jahr 2025 von Bauarbeitern bei Baggerarbeiten in einem Windpark auf einer Anhöhe südlich von Söllingen. Kurz danach kam es zu einer Ausgrabung als Notbergung und Forschungsprojekt parallel zu den laufenden Bauarbeiten im Windpark. Die Ausgrabung wurde unter Leitung des Archäologen Immo Heske von Studierenden der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie Helmstedt und dem Stützpunkt Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vorgenommen.[6]

An weiteren Untersuchungen sind 14C-Datierungen und anthropologische Untersuchungen zum Alter und Geschlecht der Verstorbenen vorgesehen. Bei guter Erhaltung der Knochenreste wird eine Bestimmung von verwandtschaftlichen Beziehungen unter den Bestatteten erwogen. Die Forschungsergebnisse sollen 2026 in der Schriftenreihe Archäologie in Niedersachsen vorgestellt werden.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise