Josefine Paul: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Josefine Paul''' (* 2. März [[1982]] in [[Helmstedt]]) ist eine deutsche Politikerin ([[Bündnis 90/Die Grünen]]). Sie war von [[2022]] bis [[2026]] Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II.
'''Josefine Paul''' (* 2. März [[1982]] in [[Helmstedt]]) ist eine deutsche Politikerin ([[Bündnis 90/Die Grünen]]). Sie war von [[2022]] bis [[2026]] Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II. Sie ist seit [[2010]] Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober [[2020]] bis Juni [[2022]] eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
 
Sie ist seit [[2010]] Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober [[2020]] bis Juni [[2022]] eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.


== Ausbildung und Beruf ==
== Ausbildung und Beruf ==
Paul wurde am 2. März 1982 in [[Helmstedt]] geboren und wuchs im Ortsteil [[Barmke]] auf.<ref name="Tenberg">{{Literatur |Autor=Natalie Tenberg |Titel=„Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen |Sammelwerk=Die Tageszeitung |Nummer=402/2005 |Datum=2005-06-18 |Kapitel=tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal |Seiten=IV}}</ref> [[2001]] legte sie am Gymnasium [[Julianum]] in [[Helmstedt]] das Abitur ab. Anschließend studierte sie bis [[2008]] Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, zunächst an der Technischen Universität Braunschweig und ab [[2005]] an der Universität Münster. Ihre Magisterarbeit befasste sich mit dem Thema ''Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.''<ref>Deutsche Akademie für Fußball-Kultur: [https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul/ ''Josefine Paul'']</ref>
Paul wurde am 2. März 1982 in [[Helmstedt]] geboren und wuchs im Ortsteil [[Barmke]] auf.<ref name="Tenberg">{{Literatur |Autor=Natalie Tenberg |Titel=„Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen |Sammelwerk=Die Tageszeitung |Nummer=402/2005 |Datum=2005-06-18 |Kapitel=tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal |Seiten=IV}}</ref> [[2001]] legte sie am Gymnasium [[Julianum]] in [[Helmstedt]] das Abitur ab. Anschließend studierte sie bis [[2008]] Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, zunächst an der Technischen Universität Braunschweig und ab [[2005]] an der Universität Münster. Ihre Magisterarbeit befasste sich mit dem Thema ''Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.''<ref>{{Internetquelle |url=https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul/ |titel=Josefine Paul |werk=Deutsche Akademie für Fußball-Kultur |datum=2021-05-20 |sprache= |abruf=2026-01-28}}</ref> Von Oktober [[2009]] bis zu ihrem Einzug in den Landtag arbeitete Paul als Vertretungslehrerin in Dortmund.
Von Oktober [[2009]] bis zu ihrem Einzug in den Landtag arbeitete Paul als Vertretungslehrerin in Dortmund.


== Politik ==
== Politik ==
=== Partei ===
=== Partei ===
Paul trat [[1999]] [[Bündnis 90/Die Grünen]] bei.<ref name="Fraktionsvorstand">[http://www.gruene.landtag.nrw.de/pressemitteilung/27-08-2012/gruene-fraktion-mit-neuem-vorstand gruene.landtag.nrw.de] Pressemitteilung: Grüne Fraktion mit neuem Vorstand, abgerufen am 31. August 2012.</ref> Während ihres Studiums in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.<ref name="Tenberg" />
Paul trat [[1999]] [[Bündnis 90/Die Grünen]] bei.<ref name="Fraktionsvorstand">{{Internetquelle |url=http://www.gruene.landtag.nrw.de/pressemitteilung/27-08-2012/gruene-fraktion-mit-neuem-vorstand |titel=Grüne Fraktion mit neuem Vorstand |werk=Grüne im Landtag NRW |datum=2012-08-27 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20120829221818/http://www.gruene.landtag.nrw.de/pressemitteilung/27-08-2012/gruene-fraktion-mit-neuem-vorstand |abruf=2026-01-28}}</ref> Während ihres Studiums in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.<ref name="Tenberg" />


=== Mitglied des Landtages (seit 2010) ===
=== Mitglied des Landtages (seit 2010) ===
Bei den Landtagswahlen [[2010]], [[2012]], [[2017]] und [[2022]] wurde Paul über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit von [[2010]] bis [[2012]] sowie erneut von [[2015]] bis [[2020]] war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende; von [[2017]] bis [[2020]] nahm sie zusätzlich die Funktion der Fraktionsgeschäftsführerin wahr. Am 26. Oktober [[2020]] wählte die Fraktion sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur Fraktionsvorsitzenden.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/paul-und-schaeffer-neue-fraktionsvorsitzende-bei-nrw-gruenen_aid-54261015 |titel=Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen |werk=aachener-zeitung.de |datum=2020-10-26 |abruf=2020-11-01}}</ref> Dieses Amt übte sie bis Juni [[2022]] aus.
Bei den Landtagswahlen [[2010]], [[2012]], [[2017]] und [[2022]] wurde Paul über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit von [[2010]] bis [[2012]] sowie erneut von [[2015]] bis [[2020]] war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende; von [[2017]] bis [[2020]] nahm sie zusätzlich die Funktion der Fraktionsgeschäftsführerin wahr. Am 26. Oktober [[2020]] wählte die Fraktion sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur Fraktionsvorsitzenden.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/paul-und-schaeffer-neue-fraktionsvorsitzende-bei-nrw-gruenen_aid-54261015 |titel=Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen |werk=Aachener Zeitung |datum=2020-10-26 |abruf=2020-11-01}}</ref> Dieses Amt übte sie bis Juni [[2022]] aus.


In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen ([[2017]] bis [[2022]]) fungierte sie außerdem als Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, für Frauen- und Queerpolitik sowie für Sportpolitik.<ref name="Funktionen">{{Webarchiv|url=http://gruene-fraktion-nrw.de/fraktion/abgeordnete/josefine-paul.html |wayback=20120930013453 |text=gruene-fraktion-nrw.de}} Abgeordnetenportraits auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 28. Januar 2026.</ref>
In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen ([[2017]] bis [[2022]]) fungierte sie außerdem als Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, für Frauen- und Queerpolitik sowie für Sportpolitik.<ref name="Funktionen">{{Webarchiv | url=http://gruene-fraktion-nrw.de/fraktion/abgeordnete/josefine-paul.html | wayback=20120930013453 | text=Abgeordnetenportraits}} auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 28. Januar 2026.</ref>


Im Dezember [[2018]] wurde Paul im Zusammenhang mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht medial rezipiert; sie äußerte, die Figur passe nicht mehr zu einem heutigen Verständnis gewaltfreier Erziehung, und verwies darauf, Knecht Ruprecht könne etwa beim Tragen von Süßigkeiten helfen.<ref>{{Internetquelle |autor=Christian Schwerdtfeger |url=https://rp-online.de/nrw/panorama/gruenen-politikerin-knecht-ruprecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess_aid-34935977 |titel=Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß |sprache=de |abruf=2018-12-06}}</ref>
Im Dezember [[2018]] wurde Paul im Zusammenhang mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht medial rezipiert; sie äußerte, die Figur passe nicht mehr zu einem heutigen Verständnis gewaltfreier Erziehung, und verwies darauf, Knecht Ruprecht könne etwa beim Tragen von Süßigkeiten helfen.<ref>{{Internetquelle |autor=Christian Schwerdtfeger |url=https://rp-online.de/nrw/panorama/gruenen-politikerin-knecht-ruprecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess_aid-34935977 |titel=Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß |sprache= |abruf=2018-12-06|werk=Rheinische Post}}</ref>


=== Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022) ===
=== Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022) ===
Am 29. Juni [[2022]] wurde Paul auf Vorschlag von [[Bündnis 90/Die Grünen]] zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II berufen und am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.<ref>{{Internetquelle |autor=WDR |url=https://www1.wdr.de/nachrichten/schwarz-gruen-in-nrw-moegliche-minister-100.html |titel=Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest |datum=2022-06-24 |sprache=de |abruf=2022-06-24}}</ref>
Am 29. Juni [[2022]] wurde Paul auf Vorschlag von [[Bündnis 90/Die Grünen]] zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II berufen und am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.<ref>{{Internetquelle |autor=Christian Wolf |url=https://www1.wdr.de/nachrichten/schwarz-gruen-in-nrw-moegliche-minister-100.html |titel=Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest |datum=2022-06-24 |sprache= |abruf=2022-06-24|archiv-url=https://web.archive.org/web/20220624224357/https://www1.wdr.de/nachrichten/schwarz-gruen-in-nrw-moegliche-minister-100.html|archiv-datum=2022-06-24|werk=WDR}}</ref>


=== Kritik und anschließender Rücktritt ===
=== Kritik und anschließender Rücktritt ===
Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am 23. August [[2024]] mit drei Toten wurde Pauls Krisenmanagement öffentlich kritisiert. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, Innenminister Herbert Reul habe sie erst am Nachmittag des 25. August [[2024]] erreicht. Die [[SPD]]-Landtagsfraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage mit fünf Punkten an Pauls Ministerium.<ref>{{Internetquelle |autor=focus.de |url=https://www.focus.de/politik/sie-war-tagelang-nicht-erreichbar-gibt-es-was-wichtiges-gruenen-ministerin-geraet-nach-solingen-desaster-unter-druck_id_260274025.html |titel=„Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck |datum=2024-09-01 |sprache=de |abruf=2024-09-04}}</ref>
Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am 23. August [[2024]] mit drei Toten wurde Pauls Krisenmanagement öffentlich kritisiert. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, Innenminister Herbert Reul habe sie erst am Nachmittag des 25. August [[2024]] erreicht. Die [[SPD]]-Landtagsfraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage mit fünf Punkten an Pauls Ministerium.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.focus.de/politik/sie-war-tagelang-nicht-erreichbar-gibt-es-was-wichtiges-gruenen-ministerin-geraet-nach-solingen-desaster-unter-druck_id_260274025.html |titel=„Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck |datum=2024-09-01 |sprache= |abruf=2024-09-04|werk=Focus}}</ref>


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Zu weiteren Vorwürfen kam es im Zusammenhang mit den Abläufen rund um den späteren Täter Issa Al Hasan. Medien berichteten, er sei im April [[2023]] sowie im Juni [[2023]] zeitweise nicht in der zugewiesenen Unterkunft auffindbar gewesen; außerdem seien auf behördlicher Ebene Auflagen und Abschiebeversuche unterblieben, bevor ihm im August [[2023]] subsidiärer Schutz zuerkannt worden sei.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/solingen-neue-details-nach-mutmasslichem-terroranschlag-19963463.html |titel=Solingen: Neue Details nach mutmaßlichem Terroranschlag |datum=2024-09-04 |sprache= |abruf=2024-09-05|autor=Reiner Burger|werk=Frankfurter Allgemeine Zeitung}}</ref>


Im Juni [[2025]] erhob Lisa Kapteinat, [[SPD]]-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, gegen Paul den Vorwurf, Abgeordnete, Parlament und Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum getäuscht zu haben.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.focus.de/panorama/neue-schwere-vorwuerfe-gegen-gruenen-ministerin-sie-hat-uns-ins-gesicht-gelogen_a3193664-a426-4d2e-86b2-1e696a2eba90.html |titel=Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“ |werk=FOCUS online |datum=2025-06-16 |sprache=de |abruf=2025-06-16}}</ref>
Im Juni [[2025]] erhob Lisa Kapteinat, [[SPD]]-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, gegen Paul den Vorwurf, Abgeordnete, Parlament und Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum getäuscht zu haben.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.focus.de/panorama/neue-schwere-vorwuerfe-gegen-gruenen-ministerin-sie-hat-uns-ins-gesicht-gelogen_a3193664-a426-4d2e-86b2-1e696a2eba90.html |titel=Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“ |werk=Focus |datum=2025-06-16 |sprache=de |abruf=2025-06-16}}</ref>


Im Januar [[2026]] wurde durch Presseberichte eine SMS Pauls an eine Abteilungsleiterin vom 23. August [[2024]] um 21:14 Uhr bekannt, in der sie nach dem Grund für eine Überprüfung der Asylunterkunft in Solingen gefragt haben soll.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.ksta.de/politik/nrw-politik/terroranschlag-solingen-sms-bringt-nrw-ministerin-in-bedraengnis-2-1191062 |titel=Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis |datum=2026-01-21 |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> In der Berichterstattung wurde dies als Indiz dafür gewertet, dass Paul früher informiert gewesen sein könne als öffentlich dargestellt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/politik/deutschland/article6978720d707d4aa207582a51/josefine-paul-gruene-nach-sms-leaks-zum-solingen-anschlag-nrw-fluechtlingsministerin-tritt-zurueck.html |titel=Josefine Paul (Grüne): Nach SMS-Leaks zum Solingen-Anschlag – NRW-Flüchtlingsministerin tritt zurück - WELT |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> Nach Angaben im Text wurde die SMS dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt; [[SPD]] und [[FDP]] bewerteten dies als Behinderung und kündigten ein Ultimatum bis zum 30. Januar [[2026]] an.
Im Januar [[2026]] wurde durch Presseberichte eine SMS Pauls an eine Abteilungsleiterin vom 23. August [[2024]] um 21:14 Uhr bekannt, in der sie nach dem Grund für eine Überprüfung der Asylunterkunft in Solingen gefragt haben soll.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.ksta.de/politik/nrw-politik/terroranschlag-solingen-sms-bringt-nrw-ministerin-in-bedraengnis-2-1191062 |titel=Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis |datum=2026-01-21 |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> In der Berichterstattung wurde dies als Indiz dafür gewertet, dass Paul früher informiert gewesen sein könne als öffentlich dargestellt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/politik/deutschland/article6978720d707d4aa207582a51/josefine-paul-gruene-nach-sms-leaks-zum-solingen-anschlag-nrw-fluechtlingsministerin-tritt-zurueck.html |titel=Josefine Paul (Grüne): Nach SMS-Leaks zum Solingen-Anschlag – NRW-Flüchtlingsministerin tritt zurück - WELT |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> Nach Angaben im Text wurde die SMS dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt; [[SPD]] und [[FDP]] bewerteten dies als Behinderung und kündigten ein Ultimatum bis zum 30. Januar [[2026]] an.
Am 27. Januar [[2026]] trat Paul als Ministerin zurück. Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende von [[Bündnis 90/Die Grünen]] im Landtag, Verena Schäffer, benannt.<ref>{{Internetquelle |autor=Sabine Tenta |url=https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/nrw-fluchtministerin-paul-ruecktritt-100.html |titel=Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref>
Am 27. Januar [[2026]] trat Paul als Ministerin zurück. Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende von [[Bündnis 90/Die Grünen]] im Landtag, Verena Schäffer, ernannt.<ref>{{Internetquelle |autor=Sabine Tenta |url=https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/nrw-fluchtministerin-paul-ruecktritt-100.html |titel=Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten |sprache= |abruf=2026-01-27|werk=Tagesschau|datum=2026-01-27}}</ref>


== Mitgliedschaften ==
== Mitgliedschaften ==

Version vom 2. Februar 2026, 06:08 Uhr

Josefine Paul (* 2. März 1982 in Helmstedt) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2022 bis 2026 Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II. Sie ist seit 2010 Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober 2020 bis Juni 2022 eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Ausbildung und Beruf

Paul wurde am 2. März 1982 in Helmstedt geboren und wuchs im Ortsteil Barmke auf.[1] 2001 legte sie am Gymnasium Julianum in Helmstedt das Abitur ab. Anschließend studierte sie bis 2008 Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, zunächst an der Technischen Universität Braunschweig und ab 2005 an der Universität Münster. Ihre Magisterarbeit befasste sich mit dem Thema Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.[2] Von Oktober 2009 bis zu ihrem Einzug in den Landtag arbeitete Paul als Vertretungslehrerin in Dortmund.

Politik

Partei

Paul trat 1999 Bündnis 90/Die Grünen bei.[3] Während ihres Studiums in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.[1]

Mitglied des Landtages (seit 2010)

Bei den Landtagswahlen 2010, 2012, 2017 und 2022 wurde Paul über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit von 2010 bis 2012 sowie erneut von 2015 bis 2020 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende; von 2017 bis 2020 nahm sie zusätzlich die Funktion der Fraktionsgeschäftsführerin wahr. Am 26. Oktober 2020 wählte die Fraktion sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur Fraktionsvorsitzenden.[4] Dieses Amt übte sie bis Juni 2022 aus.

In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen (2017 bis 2022) fungierte sie außerdem als Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, für Frauen- und Queerpolitik sowie für Sportpolitik.[5]

Im Dezember 2018 wurde Paul im Zusammenhang mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht medial rezipiert; sie äußerte, die Figur passe nicht mehr zu einem heutigen Verständnis gewaltfreier Erziehung, und verwies darauf, Knecht Ruprecht könne etwa beim Tragen von Süßigkeiten helfen.[6]

Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022)

Am 29. Juni 2022 wurde Paul auf Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II berufen und am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.[7]

Kritik und anschließender Rücktritt

Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am 23. August 2024 mit drei Toten wurde Pauls Krisenmanagement öffentlich kritisiert. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, Innenminister Herbert Reul habe sie erst am Nachmittag des 25. August 2024 erreicht. Die SPD-Landtagsfraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage mit fünf Punkten an Pauls Ministerium.[8]

Zu weiteren Vorwürfen kam es im Zusammenhang mit den Abläufen rund um den späteren Täter Issa Al Hasan. Medien berichteten, er sei im April 2023 sowie im Juni 2023 zeitweise nicht in der zugewiesenen Unterkunft auffindbar gewesen; außerdem seien auf behördlicher Ebene Auflagen und Abschiebeversuche unterblieben, bevor ihm im August 2023 subsidiärer Schutz zuerkannt worden sei.[9]

Im Juni 2025 erhob Lisa Kapteinat, SPD-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, gegen Paul den Vorwurf, Abgeordnete, Parlament und Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum getäuscht zu haben.[10]

Im Januar 2026 wurde durch Presseberichte eine SMS Pauls an eine Abteilungsleiterin vom 23. August 2024 um 21:14 Uhr bekannt, in der sie nach dem Grund für eine Überprüfung der Asylunterkunft in Solingen gefragt haben soll.[11] In der Berichterstattung wurde dies als Indiz dafür gewertet, dass Paul früher informiert gewesen sein könne als öffentlich dargestellt.[12] Nach Angaben im Text wurde die SMS dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt; SPD und FDP bewerteten dies als Behinderung und kündigten ein Ultimatum bis zum 30. Januar 2026 an. Am 27. Januar 2026 trat Paul als Ministerin zurück. Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Verena Schäffer, ernannt.[13]

Mitgliedschaften

  • Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur[14]
  • Mitglied im Kuratorium für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen[15]

Privates

Paul ist seit 2025 mit der ehemaligen sächsischen Justizministerin Katja Meier (Bündnis 90/Die Grünen) verheiratet.[16]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Natalie Tenberg: „Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen. In: Die Tageszeitung. Nr. 402/2005, 18. Juni 2005, tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal, S. IV.
  2. Josefine Paul. In: Deutsche Akademie für Fußball-Kultur. 20. Mai 2021, abgerufen am 28. Januar 2026.
  3. Grüne Fraktion mit neuem Vorstand. In: Grüne im Landtag NRW. 27. August 2012, archiviert vom Original; abgerufen am 28. Januar 2026.
  4. Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen. In: Aachener Zeitung. 26. Oktober 2020, abgerufen am 1. November 2020.
  5. Abgeordnetenportraits (Memento vom 30. September 2012 im Internet Archive) auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 28. Januar 2026.
  6. Christian Schwerdtfeger: Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß. In: Rheinische Post. Abgerufen am 6. Dezember 2018.
  7. Christian Wolf: Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest. In: WDR. 24. Juni 2022, archiviert vom Original am 24. Juni 2022; abgerufen am 24. Juni 2022.
  8. Axel Spilcker: „Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck. In: Focus. 1. September 2024, abgerufen am 4. September 2024.
  9. Reiner Burger: Solingen: Neue Details nach mutmaßlichem Terroranschlag. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. September 2024, abgerufen am 5. September 2024.
  10. Axel Spilcker: Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“. In: Focus. 16. Juni 2025, abgerufen am 16. Juni 2025.
  11. Axel Spilcker: Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis. 21. Januar 2026, abgerufen am 27. Januar 2026.
  12. Josefine Paul (Grüne): Nach SMS-Leaks zum Solingen-Anschlag – NRW-Flüchtlingsministerin tritt zurück - WELT. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  13. Sabine Tenta: Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten. In: Tagesschau. 27. Januar 2026, abgerufen am 27. Januar 2026.
  14. fussball-kultur.org
  15. Landtag Nordrhein-Westfalen: Landtag NRW: Erste Sitzung des Kuratoriums „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2018; abgerufen am 28. Januar 2026.
  16. Andreas Debski: Politik in Sachsen: Katja Meier hat Lebensgefährtin Josefine Paul geheiratet. In: saechsische.de. 28. Juli 2025, abgerufen am 28. Juli 2025.