Josefine Paul: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Josefine Paul''' (* 2. März [[1982]] in [[Helmstedt]]) ist eine deutsche Politikerin ([[Bündnis 90/Die Grünen]]) und Historikerin. Seit [[2022]] ist sie Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II. Paul ist seit [[2010]] Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober [[2020]] bis Juni [[2022]] eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von [[Bündnis 90/Die Grünen]].  
'''Josefine Paul''' (* 2. März [[1982]] in [[Helmstedt]]) ist eine deutsche Politikerin ([[Bündnis 90/Die Grünen]]). Sie war von [[2022]] bis [[2026]] Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II.


== Leben und Beruf ==
Sie ist seit [[2010]] Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober [[2020]] bis Juni [[2022]] eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
Josefine Paul stammt aus dem [[Helmstedt]]er Ortsteil [[Barmke]].<ref name="Tenberg">{{Literatur |Autor=Natalie Tenberg |Titel=„Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen |Sammelwerk=Die Tageszeitung |Nummer=402/2005 |Datum=2005-06-18 |Kapitel=tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal |Seiten=IV}}</ref> Paul wird am 2. März [[1982]] in [[Helmstedt]] geboren. Die Mutter ist [[Sybille Mattfeldt-Kloth]] und der Stiefvater [[Ernst-Adolf Kloth]]. Sie legte [[2001]] ihre Abiturprüfung am Gymnasium [[Julianum]] ab und studierte anschließend bis [[2008]] Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaften zunächst an der Technischen Universität Braunschweig, dann ab [[2005]] an der Universität Münster. Die aktive Fußballspielerin verfasste ihre Magisterarbeit zum Thema „Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.<ref>Deutsche Akademie für Fußball-Kultur: [https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul/ ''Josefine Paul'']</ref> Von Oktober [[2009]] bis zum Antritt ihres Landtagsmandats arbeitete sie als Vertretungslehrerin in Dortmund.
 
== Ausbildung und Beruf ==
Paul wurde am 2. März 1982 in [[Helmstedt]] geboren und wuchs im Ortsteil [[Barmke]] auf.<ref name="Tenberg">{{Literatur |Autor=Natalie Tenberg |Titel=„Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen |Sammelwerk=Die Tageszeitung |Nummer=402/2005 |Datum=2005-06-18 |Kapitel=tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal |Seiten=IV}}</ref> [[2001]] legte sie am Gymnasium [[Julianum]] in [[Helmstedt]] das Abitur ab. Anschließend studierte sie bis [[2008]] Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, zunächst an der Technischen Universität Braunschweig und ab [[2005]] an der Universität Münster. Ihre Magisterarbeit befasste sich mit dem Thema ''Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.''<ref>Deutsche Akademie für Fußball-Kultur: [https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul/ ''Josefine Paul'']</ref>
Von Oktober [[2009]] bis zu ihrem Einzug in den Landtag arbeitete Paul als Vertretungslehrerin in Dortmund.


== Politik ==
== Politik ==
=== Partei ===
=== Partei ===
Paul gehört seit [[1999]] der Partei [[Bündnis 90/Die Grünen]] an.<ref name="Fraktionsvorstand">[http://www.gruene.landtag.nrw.de/pressemitteilung/27-08-2012/gruene-fraktion-mit-neuem-vorstand gruene.landtag.nrw.de] Pressemitteilung: Grüne Fraktion mit neuem Vorstand, abgerufen am 31. August 2012.</ref> Während ihrer Studienzeit in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.<ref name="Tenberg" />
Paul trat [[1999]] [[Bündnis 90/Die Grünen]] bei.<ref name="Fraktionsvorstand">[http://www.gruene.landtag.nrw.de/pressemitteilung/27-08-2012/gruene-fraktion-mit-neuem-vorstand gruene.landtag.nrw.de] Pressemitteilung: Grüne Fraktion mit neuem Vorstand, abgerufen am 31. August 2012.</ref> Während ihres Studiums in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.<ref name="Tenberg" />


=== Mitglied des Landtages (seit 2010) ===
=== Mitglied des Landtages (seit 2010) ===
Bei den Landtagswahlen [[2010]], [[2012]], [[2017]] und [[2022]] wurde sie über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. Von [[2010]] bis [[2012]] sowie von [[2015]] bis [[2020]] war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende, von [[2017]] bis [[2020]] zugleich Fraktionsgeschäftsführerin.<ref name="Fraktionsvorstand" />
Bei den Landtagswahlen [[2010]], [[2012]], [[2017]] und [[2022]] wurde Paul über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit von [[2010]] bis [[2012]] sowie erneut von [[2015]] bis [[2020]] war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende; von [[2017]] bis [[2020]] nahm sie zusätzlich die Funktion der Fraktionsgeschäftsführerin wahr. Am 26. Oktober [[2020]] wählte die Fraktion sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur Fraktionsvorsitzenden.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/paul-und-schaeffer-neue-fraktionsvorsitzende-bei-nrw-gruenen_aid-54261015 |titel=Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen |werk=aachener-zeitung.de |datum=2020-10-26 |abruf=2020-11-01}}</ref> Dieses Amt übte sie bis Juni [[2022]] aus.
Am 26. Oktober [[2020]] wurde sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.aachener-zeitung.de/nrw-region/paul-und-schaeffer-neue-fraktionsvorsitzende-bei-nrw-gruenen_aid-54261015 |titel=Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen |werk=aachener-zeitung.de |datum=2020-10-26 |abruf=2020-11-01}}</ref>


In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen ([[2017]] bis [[2022]]) war sie außerdem Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, Sprecherin für Frauen- und Queerpolitik sowie Sprecherin für Sportpolitik.<ref name="Funktionen">[http://gruene-fraktion-nrw.de/fraktion/abgeordnete/josefine-paul.html gruene-fraktion-nrw.de] Abgeordnetenportraits auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 31. August 2012.</ref>
In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen ([[2017]] bis [[2022]]) fungierte sie außerdem als Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, für Frauen- und Queerpolitik sowie für Sportpolitik.<ref name="Funktionen">{{Webarchiv|url=http://gruene-fraktion-nrw.de/fraktion/abgeordnete/josefine-paul.html |wayback=20120930013453 |text=gruene-fraktion-nrw.de}} Abgeordnetenportraits auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 28. Januar 2026.</ref>


Im Dezember [[2018]] sorgte sie mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht für mediale Aufmerksamkeit. Knecht Ruprecht passe nicht mehr in das heutige Erziehungsbild mit gewaltfreier Erziehung, so könne Knecht Ruprecht doch beim Tragen der Süßigkeiten helfen.<ref>{{Internetquelle |autor=Christian Schwerdtfeger |url=https://rp-online.de/nrw/panorama/gruenen-politikerin-knecht-ruprecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess_aid-34935977 |titel=Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß |abruf=2018-12-06}}</ref>
Im Dezember [[2018]] wurde Paul im Zusammenhang mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht medial rezipiert; sie äußerte, die Figur passe nicht mehr zu einem heutigen Verständnis gewaltfreier Erziehung, und verwies darauf, Knecht Ruprecht könne etwa beim Tragen von Süßigkeiten helfen.<ref>{{Internetquelle |autor=Christian Schwerdtfeger |url=https://rp-online.de/nrw/panorama/gruenen-politikerin-knecht-ruprecht-ist-nicht-mehr-zeitgemaess_aid-34935977 |titel=Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß |sprache=de |abruf=2018-12-06}}</ref>


=== Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022) ===
=== Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022) ===
Am 29. Juni [[2022]] wurde Paul auf Vorschlag von [[Bündnis 90/Die Grünen]] zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II (schwarz-grüne Koalition) berufen. Sie wurde am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.<ref>{{Internetquelle |autor=WDR |url=https://www1.wdr.de/nachrichten/schwarz-gruen-in-nrw-moegliche-minister-100.html |titel=Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest |datum=2022-06-24 |abruf=2022-06-24}}</ref>
Am 29. Juni [[2022]] wurde Paul auf Vorschlag von [[Bündnis 90/Die Grünen]] zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II berufen und am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.<ref>{{Internetquelle |autor=WDR |url=https://www1.wdr.de/nachrichten/schwarz-gruen-in-nrw-moegliche-minister-100.html |titel=Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest |datum=2022-06-24 |sprache=de |abruf=2022-06-24}}</ref>
 
=== Kritik und anschließender Rücktritt ===
Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am 23. August [[2024]] mit drei Toten wurde Pauls Krisenmanagement öffentlich kritisiert. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, Innenminister Herbert Reul habe sie erst am Nachmittag des 25. August [[2024]] erreicht. Die [[SPD]]-Landtagsfraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage mit fünf Punkten an Pauls Ministerium.<ref>{{Internetquelle |autor=focus.de |url=https://www.focus.de/politik/sie-war-tagelang-nicht-erreichbar-gibt-es-was-wichtiges-gruenen-ministerin-geraet-nach-solingen-desaster-unter-druck_id_260274025.html |titel=„Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck |datum=2024-09-01 |sprache=de |abruf=2024-09-04}}</ref>
 
Zu weiteren Vorwürfen kam es im Zusammenhang mit den Abläufen rund um den späteren Täter Issa Al Hasan. Medien berichteten, er sei im April [[2023]] sowie im Juni [[2023]] zeitweise nicht in der zugewiesenen Unterkunft auffindbar gewesen; außerdem seien auf behördlicher Ebene Auflagen und Abschiebeversuche unterblieben, bevor ihm im August [[2023]] subsidiärer Schutz zuerkannt worden sei.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/solingen-neue-details-nach-mutmasslichem-terroranschlag-19963463.html |titel=Solingen: Neue Details nach mutmaßlichem Terroranschlag |datum=2024-09-04 |sprache=de |abruf=2024-09-05}}</ref>
 
Im Juni [[2025]] erhob Lisa Kapteinat, [[SPD]]-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, gegen Paul den Vorwurf, Abgeordnete, Parlament und Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum getäuscht zu haben.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.focus.de/panorama/neue-schwere-vorwuerfe-gegen-gruenen-ministerin-sie-hat-uns-ins-gesicht-gelogen_a3193664-a426-4d2e-86b2-1e696a2eba90.html |titel=Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“ |werk=FOCUS online |datum=2025-06-16 |sprache=de |abruf=2025-06-16}}</ref>
 
Im Januar [[2026]] wurde durch Presseberichte eine SMS Pauls an eine Abteilungsleiterin vom 23. August [[2024]] um 21:14 Uhr bekannt, in der sie nach dem Grund für eine Überprüfung der Asylunterkunft in Solingen gefragt haben soll.<ref>{{Internetquelle |autor=Axel Spilcker |url=https://www.ksta.de/politik/nrw-politik/terroranschlag-solingen-sms-bringt-nrw-ministerin-in-bedraengnis-2-1191062 |titel=Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis |datum=2026-01-21 |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> In der Berichterstattung wurde dies als Indiz dafür gewertet, dass Paul früher informiert gewesen sein könne als öffentlich dargestellt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/politik/deutschland/article6978720d707d4aa207582a51/josefine-paul-gruene-nach-sms-leaks-zum-solingen-anschlag-nrw-fluechtlingsministerin-tritt-zurueck.html |titel=Josefine Paul (Grüne): Nach SMS-Leaks zum Solingen-Anschlag – NRW-Flüchtlingsministerin tritt zurück - WELT |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref> Nach Angaben im Text wurde die SMS dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt; [[SPD]] und [[FDP]] bewerteten dies als Behinderung und kündigten ein Ultimatum bis zum 30. Januar [[2026]] an.
Am 27. Januar [[2026]] trat Paul als Ministerin zurück. Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende von [[Bündnis 90/Die Grünen]] im Landtag, Verena Schäffer, benannt.<ref>{{Internetquelle |autor=Sabine Tenta |url=https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/nrw-fluchtministerin-paul-ruecktritt-100.html |titel=Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten |sprache=de |abruf=2026-01-27}}</ref>


== Mitgliedschaften ==
== Mitgliedschaften ==
* Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur<ref>[https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul fussball-kultur.org]</ref>
* Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur<ref>[https://www.fussball-kultur.org/adresse/address/josefine-paul fussball-kultur.org]</ref>
* Mitglied im Kuratorium für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen.<ref>{{Internetquelle |autor=Landtag Nordrhein-Westfalen |url=https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/Pressemitteilungen-Informationen-Aufmacher/Pressemitteilungen-Informationen/Pressemitteilungen/2018/04/2704_Haus_der_Geschichte/2704_Haus_der_Geschichte.jsp |titel=Landtag NRW: Erste Sitzung des Kuratoriums „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20180614171556/https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/Pressemitteilungen-Informationen-Aufmacher/Pressemitteilungen-Informationen/Pressemitteilungen/2018/04/2704_Haus_der_Geschichte/2704_Haus_der_Geschichte.jsp |archiv-datum=2018-06-14}}</ref>
* Mitglied im Kuratorium für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen<ref>{{Internetquelle |autor=Landtag Nordrhein-Westfalen |url=https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/Pressemitteilungen-Informationen-Aufmacher/Pressemitteilungen-Informationen/Pressemitteilungen/2018/04/2704_Haus_der_Geschichte/2704_Haus_der_Geschichte.jsp |titel=Landtag NRW: Erste Sitzung des Kuratoriums „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“ |sprache=de |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20180614171556/https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/GB_II/II.1/Pressemitteilungen-Informationen-Aufmacher/Pressemitteilungen-Informationen/Pressemitteilungen/2018/04/2704_Haus_der_Geschichte/2704_Haus_der_Geschichte.jsp |archiv-datum=2018-06-14 |abruf=2026-01-28}}</ref>


== Privates ==
== Privates ==
Paul lebt in Münster. Sie ist mit der sächsischen Justizministerin Katja Meier ([[Bündnis 90/Die Grünen]]) liiert.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.zeit.de/2021/15/katja-meier-josefine-paul-outing-politiker-homosexualitaet-beziehung/komplettansicht |titel=Katja Meier und Josefine Paul: "Man sollte nichts verstecken" |datum=2021-04-07 |abruf=2021-04-07}}</ref>
Paul ist seit [[2025]] mit der ehemaligen sächsischen Justizministerin Katja Meier ([[Bündnis 90/Die Grünen]]) verheiratet.<ref>{{Internetquelle |autor=Andreas Debski |url=https://www.saechsische.de/politik/regional/politik-in-sachsen-katja-meier-hat-lebensgefaehrtin-josefine-paul-geheiratet-KX6IRIEPVNCLFD47OXRU2W2UIE.html |titel=Politik in Sachsen: Katja Meier hat Lebensgefährtin Josefine Paul geheiratet |werk=saechsische.de |datum=2025-07-28 |abruf=2025-07-28}}</ref>
Das Paar gab am 3. April [[2024]] bekannt, dass sie einander zu heiraten beabsichtigen.<ref>https://www.zeit.de/gesellschaft/2024-04/heirat-ministerinnen-homosexualitaet-nordrhein-westfalen-sachsen</ref>


== Weblinks ==
== Weblinks ==

Aktuelle Version vom 28. Januar 2026, 05:43 Uhr

Josefine Paul (* 2. März 1982 in Helmstedt) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2022 bis 2026 Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II.

Sie ist seit 2010 Abgeordnete im Landtag Nordrhein-Westfalen und war von Oktober 2020 bis Juni 2022 eine von zwei Vorsitzenden der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

Ausbildung und Beruf

Paul wurde am 2. März 1982 in Helmstedt geboren und wuchs im Ortsteil Barmke auf.[1] 2001 legte sie am Gymnasium Julianum in Helmstedt das Abitur ab. Anschließend studierte sie bis 2008 Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie, zunächst an der Technischen Universität Braunschweig und ab 2005 an der Universität Münster. Ihre Magisterarbeit befasste sich mit dem Thema Die Anfänge des Fußballs in Deutschland als Schulspiel. Eine Studie am Beispiel der Stadt Braunschweig.[2] Von Oktober 2009 bis zu ihrem Einzug in den Landtag arbeitete Paul als Vertretungslehrerin in Dortmund.

Politik

Partei

Paul trat 1999 Bündnis 90/Die Grünen bei.[3] Während ihres Studiums in Münster war sie Koordinatorin des Fachforums „LesBiSchwul“ der Grünen Jugend.[1]

Mitglied des Landtages (seit 2010)

Bei den Landtagswahlen 2010, 2012, 2017 und 2022 wurde Paul über die Landesliste ihrer Partei in den Landtag Nordrhein-Westfalen gewählt. In der Zeit von 2010 bis 2012 sowie erneut von 2015 bis 2020 war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende; von 2017 bis 2020 nahm sie zusätzlich die Funktion der Fraktionsgeschäftsführerin wahr. Am 26. Oktober 2020 wählte die Fraktion sie gemeinsam mit Verena Schäffer zur Fraktionsvorsitzenden.[4] Dieses Amt übte sie bis Juni 2022 aus.

In der 17. Wahlperiode des Landtags Nordrhein-Westfalen (2017 bis 2022) fungierte sie außerdem als Sprecherin ihrer Fraktion für Kinder, Jugend und Familie, für Frauen- und Queerpolitik sowie für Sportpolitik.[5]

Im Dezember 2018 wurde Paul im Zusammenhang mit Äußerungen zu Knecht Ruprecht medial rezipiert; sie äußerte, die Figur passe nicht mehr zu einem heutigen Verständnis gewaltfreier Erziehung, und verwies darauf, Knecht Ruprecht könne etwa beim Tragen von Süßigkeiten helfen.[6]

Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (seit 2022)

Am 29. Juni 2022 wurde Paul auf Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen zur Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen im Kabinett Wüst II berufen und am selben Tag vor dem Landtag vereidigt.[7]

Kritik und anschließender Rücktritt

Nach dem islamistischen Messeranschlag in Solingen am 23. August 2024 mit drei Toten wurde Pauls Krisenmanagement öffentlich kritisiert. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, Innenminister Herbert Reul habe sie erst am Nachmittag des 25. August 2024 erreicht. Die SPD-Landtagsfraktion richtete daraufhin eine Kleine Anfrage mit fünf Punkten an Pauls Ministerium.[8]

Zu weiteren Vorwürfen kam es im Zusammenhang mit den Abläufen rund um den späteren Täter Issa Al Hasan. Medien berichteten, er sei im April 2023 sowie im Juni 2023 zeitweise nicht in der zugewiesenen Unterkunft auffindbar gewesen; außerdem seien auf behördlicher Ebene Auflagen und Abschiebeversuche unterblieben, bevor ihm im August 2023 subsidiärer Schutz zuerkannt worden sei.[9]

Im Juni 2025 erhob Lisa Kapteinat, SPD-Obfrau des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zum Anschlag, gegen Paul den Vorwurf, Abgeordnete, Parlament und Öffentlichkeit über einen längeren Zeitraum getäuscht zu haben.[10]

Im Januar 2026 wurde durch Presseberichte eine SMS Pauls an eine Abteilungsleiterin vom 23. August 2024 um 21:14 Uhr bekannt, in der sie nach dem Grund für eine Überprüfung der Asylunterkunft in Solingen gefragt haben soll.[11] In der Berichterstattung wurde dies als Indiz dafür gewertet, dass Paul früher informiert gewesen sein könne als öffentlich dargestellt.[12] Nach Angaben im Text wurde die SMS dem Untersuchungsausschuss zunächst nicht vorgelegt; SPD und FDP bewerteten dies als Behinderung und kündigten ein Ultimatum bis zum 30. Januar 2026 an. Am 27. Januar 2026 trat Paul als Ministerin zurück. Als Nachfolgerin wurde die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, Verena Schäffer, benannt.[13]

Mitgliedschaften

  • Mitglied in der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur[14]
  • Mitglied im Kuratorium für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen[15]

Privates

Paul ist seit 2025 mit der ehemaligen sächsischen Justizministerin Katja Meier (Bündnis 90/Die Grünen) verheiratet.[16]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Natalie Tenberg: „Da bin ich erzkonservativ“. Josefine Paul, 23, Nachwuchspolitikerin der Grünen, setzt sich als Quotenlesbe in Männerwelten durch. Notfalls muss sie auf den Tisch hauen. In: Die Tageszeitung. Nr. 402/2005, 18. Juni 2005, tazmag. Das Wochenendmagazin der Tageszeitung. Ganz normal, S. IV.
  2. Deutsche Akademie für Fußball-Kultur: Josefine Paul
  3. gruene.landtag.nrw.de Pressemitteilung: Grüne Fraktion mit neuem Vorstand, abgerufen am 31. August 2012.
  4. Paul und Schäffer neue Fraktionsvorsitzende bei NRW-Grünen. In: aachener-zeitung.de. 26. Oktober 2020, abgerufen am 1. November 2020.
  5. gruene-fraktion-nrw.de (Memento vom 30. September 2012 im Internet Archive) Abgeordnetenportraits auf der Website der Grünen Landtagsfraktion, abgerufen am 28. Januar 2026.
  6. Christian Schwerdtfeger: Experten warnen zum Nikolaustag: Knecht Ruprecht nicht mehr zeitgemäß. Abgerufen am 6. Dezember 2018.
  7. WDR: Erste NRW-Minister von Schwarz-Grün stehen fest. 24. Juni 2022, abgerufen am 24. Juni 2022.
  8. focus.de: „Gibt es was Wichtiges?“ Grünen-Ministerin gerät nach Solingen-Desaster unter Druck. 1. September 2024, abgerufen am 4. September 2024.
  9. Solingen: Neue Details nach mutmaßlichem Terroranschlag. 4. September 2024, abgerufen am 5. September 2024.
  10. Axel Spilcker: Neue schwere Vorwürfe gegen Grünen-Ministerin: „Sie hat uns ins Gesicht gelogen“. In: FOCUS online. 16. Juni 2025, abgerufen am 16. Juni 2025.
  11. Axel Spilcker: Terroranschlag in Solingen: SMS bringt NRW-Flüchtlingsministerin in Bedrängnis. 21. Januar 2026, abgerufen am 27. Januar 2026.
  12. Josefine Paul (Grüne): Nach SMS-Leaks zum Solingen-Anschlag – NRW-Flüchtlingsministerin tritt zurück - WELT. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  13. Sabine Tenta: Nordrhein-Westfalens Fluchtministerin Paul ist zurückgetreten. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  14. fussball-kultur.org
  15. Landtag Nordrhein-Westfalen: Landtag NRW: Erste Sitzung des Kuratoriums „Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen“. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 14. Juni 2018; abgerufen am 28. Januar 2026.
  16. Andreas Debski: Politik in Sachsen: Katja Meier hat Lebensgefährtin Josefine Paul geheiratet. In: saechsische.de. 28. Juli 2025, abgerufen am 28. Juli 2025.