Gräberfeld von Söllingen: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Gräberfeld von Söllingen''' stammt aus der frühen Bronzezeit und befindet sich bei [[Söllingen]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland.  
Das '''Gräberfeld von Söllingen''' ist ein archäologischer Fundplatz bei [[Söllingen]] im [[Landkreis Helmstedt]] in Niedersachsen in Deutschland. Das Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit wurde im Jahr [[2025]] entdeckt und ausgegraben.  


== Beschreibung ==
== Beschreibung ==
Zum Gräberfeld gehören sechs Körpergräber der Aunjetitzer Kultur aus dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Die Skelette der Bestatteten, darunter Kinder, weisen eine seitliche Hockerstellung in Nord-Süd-Ausrichtung auf, wobei der Blick nach Osten gerichtet ist. Laut den Archäologen könnte die Blickausrichtung nach Osten der aufgehenden Sonne gegolten haben und spiegelt vermutlich damalige Glaubens- und Jenseitsvorstellungen wider. Die Gräber sind mit Grabbeigaben in Form von Tongefäßen ausgestattet worden.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/helmstedt-graeberfeld-aus-der-fruehen-bronzezeit-entdeckt,ausgrabungen-100.html ''Helmstedt: Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit entdeckt''] bei ndr.de vom 26. Juni 2025</ref> Bei etwa drei Bestattungen sind Steinschutz und Steineinbauten vorhanden.<ref>[https://www.stern.de/gesellschaft/regional/niedersachsen-bremen/archaeologische-funde--funde-aus-bronze--und-fruehen-eisenzeit-in-windpark-entdeckt-35840654.html ''Funde aus Bronze- und frühen Eisenzeit in Windpark entdeckt''] in ''Stern'' vom 25. Juni 2025</ref> Darüber wurden in Gruben Schädelfragmente, ein Bein, untere Wirbel sowie Zähne und Rippenknochen als sogenannte „zerrupfte“ Bestattungen abgelegt. Dieser Bestattungsritus sei laut den Archäologen äußerst selten, ist aber aus Grabungen im Umfeld der nahe gelegenen [[Hünenburg bei Watenstedt]] bekannt.<ref>Lara Hoffmann: [https://www.news38.de/helmstedt/article300553286/kreis-helmstedt-news-sollingen-archaeologie-fund-graeber.html ''Bauarbeiter machen Sensationsentdeckung im Kreis Helmstedt! Der Anblick ist „selten“''] bei news38.de vom 26. Juni 2025</ref>
Zum Gräberfeld gehören sechs Körpergräber der Aunjetitzer Kultur aus dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Die Körper der Bestatteten, darunter Kinder, waren in einer seitlichen Hockerstellung in Nord-Süd-Ausrichtung mit Blickrichtung nach Osten abgelegt. Laut den Archäologen könnte die Blickausrichtung der aufgehenden Sonne gegolten haben und spiegelt vermutlich damalige Glaubens- und Jenseitsvorstellungen wider. Die Gräber sind mit Grabbeigaben in Form von Tongefäßen ausgestattet worden.<ref>[https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/helmstedt-graeberfeld-aus-der-fruehen-bronzezeit-entdeckt,ausgrabungen-100.html ''Helmstedt: Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit entdeckt''] bei ndr.de vom 26. Juni 2025</ref> Bei etwa drei Bestattungen sind Steinschutz und Steineinbauten vorhanden.<ref>[https://www.stern.de/gesellschaft/regional/niedersachsen-bremen/archaeologische-funde--funde-aus-bronze--und-fruehen-eisenzeit-in-windpark-entdeckt-35840654.html ''Funde aus Bronze- und frühen Eisenzeit in Windpark entdeckt''] in Stern vom 25. Juni 2025</ref> Außerdem wurden in Gruben Schädelfragmente, ein Bein, untere Wirbelkörper sowie Zähne und Rippenknochen als sogenannte „zerrupfte“ Bestattungen abgelegt. Dieser Bestattungsritus sei laut den Archäologen selten, aber aus Grabungen im Umfeld der nahe gelegenen [[Hünenburg bei Watenstedt]] bekannt.<ref>Lara Hoffmann: [https://www.news38.de/helmstedt/article300553286/kreis-helmstedt-news-sollingen-archaeologie-fund-graeber-sensationsentdeckung.html ''Bauarbeiter machen Sensationsentdeckung im Kreis Helmstedt! Der Anblick ist „selten“''] bei news38.de vom 28. Juni 2025</ref>


== Fundhintergrund ==
== Fundumfeld ==
Das Gräberfeld liegt im Ostbraunschweigischen Hügelland, das für Funde aus frühen Bronzezeit bekannt ist.<ref>[https://www.sat1regional.de/spektakulaere-ausgrabung-bei-soellingen-graeberfeld-aus-fruehbronzezeit-entdeckt/ ''Spektakuläre Ausgrabung bei Söllingen: Gräberfeld aus Frühbronzezeit entdeckt''] bei Sat 1 Niedersachsen vom 26. Juni 2025</ref> Seine fruchtbaren Lößgebiete waren im Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. intensiv aufgesuchte Siedlungsräume der Glockenbecher und Aunjetitzer Kultur. Die Fundstelle liegt am westlichsten Rand des Verbreitungsgebiets der Aunjetitzer Kultur. Sie war eine der ersten Kulturen, die Bronze verarbeitete und goss. Einer der bekannteste Funde aus dieser Zeit ist die Himmelsscheibe von Nebra.<ref>Sophie Weinmann: [https://newsify38.de/sensationsfund-zwischen-windraedern-graeber-aus-der-bronzezeit-entdeckt/ ''Sensationsfund zwischen Windrädern – Gräber aus der Bronzezeit entdeckt''] bei newsify38.de vom 25. Juni 2025</ref>
Das Gräberfeld liegt im Ostbraunschweigischen Hügelland, das für Funde aus frühen Bronzezeit bekannt ist.<ref>[https://www.sat1regional.de/spektakulaere-ausgrabung-bei-soellingen-graeberfeld-aus-fruehbronzezeit-entdeckt/ ''Spektakuläre Ausgrabung bei Söllingen: Gräberfeld aus Frühbronzezeit entdeckt''] bei Sat.1 Regional vom 26. Juni 2025</ref> Seine fruchtbaren Lössböden waren im Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. intensiv aufgesuchte Siedlungsräume der Glockenbecher und Aunjetitzer Kultur. Die Fundstelle liegt am westlichsten Rand des Verbreitungsgebiets der Aunjetitzer Kultur. Sie war eine der ersten Kulturen, die Bronze verarbeitete. Als bekanntester Fund aus dieser Zeit gilt die Himmelsscheibe von Nebra.<ref>Sophie Weinmann: [https://newsify38.de/sensationsfund-zwischen-windraedern-graeber-aus-der-bronzezeit-entdeckt/ ''Sensationsfund zwischen Windrädern – Gräber aus der Bronzezeit entdeckt''] bei newsify38.de vom 25. Juni 2025</ref>


== Forschungsgeschichte ==
== Forschungsgeschichte ==
Entdeckt wurde das Gräberfeld im Jahr [[2025]] von Bauarbeitern bei Baggerarbeiten in einem Windpark auf einer Anhöhe südlich von [[Söllingen]]. Kurz danach kam es zu einer Ausgrabung als Notbergung und Forschungsprojekt parallel zu den laufenden Bauarbeiten im Windpark. Die Ausgrabung wurde unter Leitung des Archäologen Immo Heske von Studierenden der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie [[Helmstedt]] und dem Stützpunkt Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vorgenommen.<ref>[https://regionalheute.de/helmstedt/seltener-fund-bronzezeitliche-bestattungen-bei-soellingen-entdeckt-helmstedt-1750262777/ ''Seltener Fund: Bronzezeitliche Bestattungen bei Söllingen entdeckt''] bei regionalheute.de vom 18. Juni 2025</ref>  
Entdeckt wurde das Gräberfeld im Jahr [[2025]] von Bauarbeitern bei Baggerarbeiten in einem Windpark auf einer Anhöhe südlich von [[Söllingen]]. Anschließend danach kam es zu einer Ausgrabung als Notbergung und Forschungsprojekt parallel zu den laufenden Bauarbeiten im Windpark. Die Grabung wurde unter Leitung des Archäologen Immo Heske von Studierenden der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie [[Helmstedt]] und dem Stützpunkt Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vorgenommen.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.regionalheute.de/helmstedt/seltener-fund-bronzezeitliche-bestattungen-bei-soellingen-entdeckt-helmstedt-1750262777 |titel=Seltener Fund: Bronzezeitliche Bestattungen bei Söllingen entdeckt |werk=regionalHeute.de |datum=2025-06-18 |abruf=2025-10-28}}</ref>


An weiteren Untersuchungen sind 14C-Datierungen und anthropologische Untersuchungen zum Alter und Geschlecht der Verstorbenen vorgesehen. Bei guter Erhaltung der Knochenreste wird eine Bestimmung von verwandtschaftlichen Beziehungen unter den Bestatteten erwogen. Die Forschungsergebnisse sollen [[2026]] in der Schriftenreihe Archäologie in Niedersachsen vorgestellt werden.
An den Gebeinen sind weitere Untersuchungen durch 14C-Datierungen und anthropologische Untersuchungen zum Alter und Geschlecht der Verstorbenen vorgesehen. Bei einem guten Erhaltungszustand des Knochenmaterials wird eine Bestimmung von verwandtschaftlichen Beziehungen unter den Bestatteten erwogen. Die Forschungsergebnisse sollen [[2026]] in der Schriftenreihe Archäologie in Niedersachsen vorgestellt werden.


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==

Aktuelle Version vom 28. Oktober 2025, 16:43 Uhr

Das Gräberfeld von Söllingen ist ein archäologischer Fundplatz bei Söllingen im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen in Deutschland. Das Gräberfeld aus der frühen Bronzezeit wurde im Jahr 2025 entdeckt und ausgegraben.

Beschreibung

Zum Gräberfeld gehören sechs Körpergräber der Aunjetitzer Kultur aus dem frühen 2. Jahrtausend v. Chr. Die Körper der Bestatteten, darunter Kinder, waren in einer seitlichen Hockerstellung in Nord-Süd-Ausrichtung mit Blickrichtung nach Osten abgelegt. Laut den Archäologen könnte die Blickausrichtung der aufgehenden Sonne gegolten haben und spiegelt vermutlich damalige Glaubens- und Jenseitsvorstellungen wider. Die Gräber sind mit Grabbeigaben in Form von Tongefäßen ausgestattet worden.[1] Bei etwa drei Bestattungen sind Steinschutz und Steineinbauten vorhanden.[2] Außerdem wurden in Gruben Schädelfragmente, ein Bein, untere Wirbelkörper sowie Zähne und Rippenknochen als sogenannte „zerrupfte“ Bestattungen abgelegt. Dieser Bestattungsritus sei laut den Archäologen selten, aber aus Grabungen im Umfeld der nahe gelegenen Hünenburg bei Watenstedt bekannt.[3]

Fundumfeld

Das Gräberfeld liegt im Ostbraunschweigischen Hügelland, das für Funde aus frühen Bronzezeit bekannt ist.[4] Seine fruchtbaren Lössböden waren im Übergang vom 3. zum 2. Jahrtausend v. Chr. intensiv aufgesuchte Siedlungsräume der Glockenbecher und Aunjetitzer Kultur. Die Fundstelle liegt am westlichsten Rand des Verbreitungsgebiets der Aunjetitzer Kultur. Sie war eine der ersten Kulturen, die Bronze verarbeitete. Als bekanntester Fund aus dieser Zeit gilt die Himmelsscheibe von Nebra.[5]

Forschungsgeschichte

Entdeckt wurde das Gräberfeld im Jahr 2025 von Bauarbeitern bei Baggerarbeiten in einem Windpark auf einer Anhöhe südlich von Söllingen. Anschließend danach kam es zu einer Ausgrabung als Notbergung und Forschungsprojekt parallel zu den laufenden Bauarbeiten im Windpark. Die Grabung wurde unter Leitung des Archäologen Immo Heske von Studierenden der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Kreisarchäologie Helmstedt und dem Stützpunkt Braunschweig des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege vorgenommen.[6]

An den Gebeinen sind weitere Untersuchungen durch 14C-Datierungen und anthropologische Untersuchungen zum Alter und Geschlecht der Verstorbenen vorgesehen. Bei einem guten Erhaltungszustand des Knochenmaterials wird eine Bestimmung von verwandtschaftlichen Beziehungen unter den Bestatteten erwogen. Die Forschungsergebnisse sollen 2026 in der Schriftenreihe Archäologie in Niedersachsen vorgestellt werden.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise